
EU AI Act: Warum brauchen wir Grenzen für KI?
In den vergangenen Tagen haben führende Köpfe der KI-Branche zu mehr Sicherheit und klareren Regeln aufgerufen. Anthropic-Chef Dario Amodei fordert, den Wettlauf um immer leistungsfähigere KI-Systeme zu verlangsamen und verbindliche Sicherheitsstandards zu schaffen. Unterstützung erhielt er unter anderem von OpenAI-Chef Sam Altman. Die aktuelle Debatte zeigt: Je schneller sich KI entwickelt, desto wichtiger wird die Frage, wie ihr Einsatz verantwortungsvoll gestaltet werden kann.
Europa hat darauf bereits mit einem verbindlichen Rahmen reagiert: dem EU AI Act. Die Verordnung setzt klare Leitplanken, was die Verwendung von KI betrifft. Damit möchte die EU Innovation ermöglichen und zugleich Sicherheit und Transparenz gewährleisten und stärken.
Gerade für die Versicherungswirtschaft ist das relevant. Denn dort kann KI Arbeitsprozesse vereinfachen, Informationen strukturieren und Entscheidungen vorbereiten – oft mit unmittelbaren Auswirkungen auf Kunden. Umso wichtiger ist es, frühzeitig zu klären, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann und wo klare Grenzen erforderlich sind.
Fortschritt braucht einen Rahmen
Auch vor dem Zeitalter von künstlicher Intelligenz ist der Staat eingeschritten, wo Technologie erhebliche Auswirkungen auf Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft haben kann. Im Rahmen von Produkt- und Verbraucherschutz, Datenschutz oder Wettbewerbsregeln wurden bereits Grenzen geschaffen, damit ein reibungsloses Entwickeln von Technologie, Gesellschaft und Wirtschaft möglich gemacht werden kann.
Wichtig ist dabei, dass der EU AI Acts nicht pauschal künstliche Intelligenz reguliert, sondern einen besonderen Fokus auf das Risiko bei der Nutzung von KI legt. Für Versicherer, Assekuradeure, Vermittler und Versicherungsmakler ist deshalb vor allem entscheidend, wofür künstliche Intelligenz im Arbeitsalltag eingesetzt wird und welche Auswirkungen dies auf ihre Kunden hat.
Generell unterscheidet der EU AI Act zwischen verbotenen, hochriskanten, transparenzpflichtigen sowie gering oder nicht regulierten KI-Anwendungen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass nicht jede KI-Anwendung automatisch ein Hochrisiko-System ist.
Verantwortung muss transparent bleiben
Governance und Sicherheit sind dabei die Begriffe, die bei der Nutzung von KI einen erheblichen Unterschied beschreiben. Innerhalb eines Unternehmens muss zwingend geklärt werden, wie Verantwortlichkeiten verteilt sind, welche Daten genutzt werden und dass Human Oversight für Revision und Kontrolle gewährleistet ist.
Auch für uns als Softwarehersteller von der Versicherungsplattform openVIVA beginnt verantwortungsvoller KI-Einsatz nicht erst beim Algorithmus. Es beginnt bereits mit einem klar definierten Einsatzzweck der KI, nachvollziehbaren Daten, transparenten Produktfunktionen sowie eindeutig geregelten Verantwortlichkeiten.
Ein treffendes Beispiel aus dem Arbeitsalltag ist dabei die im EU AI Act beschriebene Transparenzpflicht bei bestimmten KI-Anwendungen. Es muss z. B. für User stets erkennbar sein, wenn sie direkt mit einem KI-System interagieren.
Fakten-Check
Der EU AI Act ist keine Gefahrenzone für Innovation. Er ist der Versuch, Innovation in einen Rahmen zu setzen, in dem Sicherheit, Governance und Transparenz mitwachsen können. Besonders in einer Branche wie der Versicherungswirtschaft, wo Entscheidungen erhebliche Auswirkungen auf Kunden haben können, basiert ein verantwortungsvoller KI-Einsatz auf klaren Prozessen, strukturierten Daten und transparenter Umsetzung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Die Einordnung konkreter KI-Anwendungen hängt jeweils von ihrem Einsatzzweck, ihrer Ausgestaltung und der Rolle des Unternehmens ab.
Quellen
KI-Bosse wollen weniger Tempo und mehr Regulierung (13.09.2026): https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/ki-anthropic-106.html
Europäische Kommission: KI-Gesetz (14.09.2026): https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/regulatory-framework-ai